Mumbais Zoll
Mein Container ist angekommen. Am 01. November wurde er im Hafen Nhava Sheva an Land gespuelt vom Schiff genommen. Es folgte eine Odyssee durch Mumbai bis er schliesslich im Zollhafen im Sueden Mumbais ankam. Gestern nun war die Custom’s Inspection. Meine Umzugsfirma hatte mich gebeten, daran Teil zu nehmen und ich war gespannt, was mich dort erwarten wuerde. Dass es solch ein Erlebnis werden wuerde, habe ich mir in meinen kuehnsten Traeumen nicht ausmalen koennen.
Am Blue Gate des Hafens traf ich drei Maenner von meiner Umzugsfirma. Einer war “mein” Supervisor, ein anderer hatte all meine Dokumente dabei (Pass und Resident Permit hatten die bei mir vor einigen Tagen schon abgeholt) und ein dritter stand fuer mich in der Schlange fuer die Zutrittserlaubnis zum Zollhafen.
Nachdem am Eingang alle Formalitaeten erledigt waren, streiften wir zu Fuss durch den Hafen Richtung Zolllager. Mein Container war bereits ausgeladen und meine Sachen lagen alle fein saeuberlich gestapelt und aeusserlich unbeschadet in einem abgegrenzeten Bereich. Mein umherschweifender Blick stellte fest, dass im Moment wohl allerhand Leute nach Mumbai ziehen, das ganze Lager war voll mit Ansammlungen von ordentlich verpacktem Hausrat.
Zunaechst wurde ich nun einer Inspekteurin vorgestellt, die fuer eine erste Untersuchung meiner Sachen zustaendig war. Die aeltere Dame versuchte gleich, mich nett in Smalltalk zu verwickeln, wo ich den herkaeme, was ich hier machen wuerde, wie lange ich bleibe, wie ich Indien so finde, die ueblichen Fragen, die einem hier irgendwie fast jeder stellt. Sie fing dann an, sich durch meine Kisten zu wuehlen, auf der Suche nach Elektrogeraeten. Die sind naemlich teilweise zu verzollen, selbst wenn man hier hinzieht. Irgendwie hatte sie eine Nase dafuer, in welchen Kisten, sie meine Elektrogeraete findet, so dass bald alle neben dem Berg “harmloser” Sachen standen.
An dieser Stelle trat nun einer der Herren meiner Umzugsfirma auf den Plan. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie ein wenig Papiergeld den Besitzer wechselte und dann wurden doch tatsaechlich einige meiner Elektrogeraete wieder in die Kisten zurueckgepackt und die Kisten zu den harmlosen Sachen gestellt. Ich verbuchte das einfach mal unter “TII – This is India”. Doch es wurde noch besser.
Nach einiger Zeit kam nun ein zweiter Inspektor. Dieser erfasste nun alle uebrig gebliebenen Elektrogeraete auf einer Liste. Als er damit fertig war, gingen wir in den ersten Stock des Zolllagers, wo die Bueros und Wartebereiche und eine Cafeteria untergebracht sind. Leider durfte ich dort nicht fotografieren, diese Location war wirklich abgefahren. Ich durfte es mir auf einem aelteren Sofa bequem machen und einen Tee trinken waehrend einer meiner der Maenner meiner Umzugsfirma mit dem Zoellner zusammensass. Nach einiger Zeit kam er dann zu mir mit einem Zettel und einer Zahl drauf. Etwa Rs. 30.000 wollte man von mir. Gut 500 EUR. Ich meinte, dass das doch etwas viel sei, worauf hin mir doch glatt entgegenet wurde, dass das doch egal sei, das wuerde doch wohl eh meine Firma bezahlen. Ich tat entruestet und behauptete, dass ich das selbst zahlen muesse.
Nun ging der gute Mann zum Zoellner zurueck und kurze Zeit spaeter stieg die Lautstaerke deutlich, beide bruellten sich an. Wenige Minuten spaeter war der gute Mann wieder zurueck, der Betrag war auf Rs. 18.000 geschrumpft. Einige Dinge waren einfach aus der Liste gestrichen worden, andere im zu Grunde gelegten Wert gemindert. Interessant. Ich sagte, dass das doch schon deutlich besser aussieht und er verschwand mit dem Zoellner in einem der Bueros.
Als er mit den offiziellen Dokumenten wiederkam, war der Importzoll auf Rs. 14.000 gesunken und dabei sollte es dann auch bleiben. Ich bezahlte, schlug eine Einladung des Zoellners zum gemeinsamen Essen in der Cafeteria aus und machte mich auf den Heimweg, nachdem ich insgesamt gut 5 interessante Stunden beim Zoll in Mumbai verbracht hatte.
Was habe ich bei dem Besuch gelernt und was kann ich an Tipps fuer zukuenftige Neu-Mumbaikers weitergeben?
- Persoenliches Erscheinen bei der Zollinspektion ist definitiv nicht von Nachteil, auch wenn es Zeit kostet.
- Ein Buch oder MP3 Player mitbringen, man sitzt dort sehr lange einfach nur rum.
- Hoffen und beten, dass erfahrene Leute von der Umzugsfirma dabei sind, die wissen, welche Hebel man wann und wie in Bewegung setzen muss
- Originalverpackungen am besten wegschmeissen und stattdessen die Verpackung der Umzugsfirma verwenden. Bei Originalverpackung denkt der Zoll, es handelt sich um Neuware und die ist immer zu verzollen.
- Wenn moeglich, alle Elektroartikel nur einmal mitbringen. Ein Fernseher macht keine Probleme. Bei Zwei Fernsehern im Container gibt es dann schon Gesabbel. Gleiches gilt fuer Soundsysteme, DVD Player usw. Lieber den Rest in Deutschland verkaufen und dann hier neu anschaffen.
- Wenn man gefragt wird, wie alt die Sachen sind, immer sagen “aelter als ein Jahr”, denn was noch nicht ein Jahr ist, zaehlt als Neuware.
- Wenn man nach dem Wert gefragt wird, diesen ruhig etwas niedriger ansetzen.
- Immer freundlich bleiben und laecheln.



3 comments
Wir waren damals alleine (mein Freund) und ich, was fuer mich sehr von Vorteil war. Er hat die beiden Inspektoren so schwindlig geredet, dass sie in ein, zwei Kisten gar nicht reingeschaut haben, da dort ja “eh nichts wichtiges” drin war. Ich hatte furchtbar laecherliche Preise angegeben (fuer deutsche Verhaeltnisse), was sie mir komplett abgenommen haben, somit haben wir am Ende nur 1.900 Rps bezahlt. Allerdings hatte ich auf diese Dinge wie Fernseher, Soundanlage usw. verzichtet, da dies alles relativ alt war und ich wusste, dass ich hier Vergleichbares zu wesentlich geringeren Preisen bekommen kann.
Aber es ist ein Erlebnis, das ist wahr und Einheimische (ob nun Freunde oder Mitarbeiter der Spedition) dabei zu haben, ist mit Sicherheit immer ein Vorteil.
Nun kann das “heimisch” fuehlen ja richtig losgehen, gelle?
LG
Kerstin
Die TOI berichtet heute von einer anlauenden Expo der nordostindischen Staaten im Stadtteil Prabhadevi. Dort findest du garantiert Korbmoebel.
LG
Daniela
Danke fuer den Tipp. Bin heute auf dem Weg zum Shiro durch Prabhadevi gefahren und hab die Augen offen gehalten und auch glatt die Expo gesehen. Da werde ich doch die Tage dann mal hin.
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