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Autobahn oder Achterbahn – eine Busfahrt in Indien

Dies Wochenende war es soweit. Es sollte mal wieder aus dem Moloch Mumbai hinausgehen. Montag war Republic Day, somit nutzten wir kurzentschlossen das lange Wochenende fuer einen Trip nach Goa. Da wir uns recht spontan fuer diese Reise entschieden, war das Flugzeug keine Option mehr. Die guten Fluege waren bereits ausgebucht, die verbliebenen Tickets extrem teuer. Zugfahrt schied leider auch aus, unsere Wartelistenplaetze verhiessen nichts Gutes, somit haben wir sie gleich wieder storniert. Blieb nur die Busfahrt. Auch hier waren die Ticketpreise mittlerweile durch die Decke geschossen. Wir entschieden uns fuer Raj National Express und buchten vier Tickets fuer deren Busse nach Goa und zurueck. Der Preis pro Richtung pro Nase lag bei Rs. 1600, umgerechnet etwa EUR 25. Bei rechtzeitiger Buchung kommt man fuer deutlich unter der Haelfte hin.

Die Busse von Raj National Express sind wirklich gut. Es handelt sich um echte Volvos (einige Unternehmen schummeln an dieser Stelle), alle Sitze sind Ledersitze, die man schoen weit zurueck stellen kann und die auch ueber eine Beinstuetze verfuegen. Generell koennte man hiermit also sehr bequem und entspannt reisen.
Dies zu verhindern scheint aber die Aufgabe des Fahrers…

Zunaechst aber verspaetete sich die Reise schon vor dem Start praechtig. Man glaubt es kaum, aber unser Bus wartete doch glatt ueber eine Stunde auf Passagiere, die sich verspaetet hatten. Schoen fuer letztere, doof fuer alle, die schon dort waren. Wir sammelten dann weitere Verspaetungsminuten bei einem Ewigkeiten dauernden Tankvorgang (wieso koennen die das nicht VORHER machen?) und beim Warten auf weitere Passagiere, eh wir uns dann endlich im Konvoi mit zwei weiteren Raj National Express Bussen auf die Reise machten.

Der Grossteil der Strecke nach Goa ist eine einfache Landstrasse, recht schmal, die sich durch eine huegelige Landschaft schlaengelt. Wenn die Strasse nicht gerade durch Ortschaften fuehrt, findet man links und rechts entweder Unmengen an Baeumen oder auf einer Seite einen Abgrund, auf der anderen eine Felswand. Geradeaus geht es selten mehr als ein paar hundert Meter.

All das hindert die Busfahrer aber nicht daran, ihre Volvos mit bis zu 120 km/h (auf dem Rueckweg hatte ich freie Sicht auf den Tacho) ueber die Strecke zu pruegeln. Dabei wurde ohne Ruecksicht auf Verluste alles ueberholt. Wirklich alles. Auf dem Hinweg verlor unser Bus nicht ein einzige Duell. Stattdessen wurden am laufenden Band andere Busse, LKW, PKW, Motorraeder, Riks und Fahrraeder ueberholt. Mein persoenliches Highlight war das Ueberholen eines Polizei-Jeeps, der mit Blaulicht und Sirene offenbar im Einsatz war…

Beim ersten Rast wunderte ich mich noch, warum bei einem der Busse unseres Konvois die vorderste rechte Scheibe mit Folie abgeklebt war und warum alle Busse Spruenge in der ein oder anderen Scheibe hatten, aber recht schnell war mir klar, woran das lag. Ruecksichtsvolles Fahren scheint hier zu heissen, dass man vom entgegenkommenden Verkehr die Ruecksicht erwartet, zu bremsen, wenn man andere Fahrzeuge ueberholt. Ich gab es recht bald auf, die Anzahl der Beinahe-Frontalzusammenstoesse zu zaehlen.
Am Leben und am Laecheln hielt mich die Vorstellung, dass in eben meinem Bus nicht meine Freunde und ich sitzen wuerden, sondern eine deutsche Reisegruppe, grossteils Silberschoepfe. Die Haelfte von denen waere vermutlich schon auf der Haelfte der Strecke an Herzinfarkten zu Grunde gegangen und die andere Haelfte haette die Hosen voll gehabt (vll. abgesehen von ein oder zwei aelteren Herren, die im 2. Weltkrieg als Kampfpiloten gedient haben und die nichts mehr erschrecken kann). Wuerde man diese dann am Ziel vor die Wahl setzen, die angebotenen Heizdecken zu kaufen und dafuer ganz gemuetlich Heim gefahren zu werden oder aber nichts zu kaufen und genau so zurueck gefahren zu werden wie hin,… Ich glaube, das waere eine Geschaeftsidee!!!

Wie dem auch sei, ich habe ueberlebt. Busfahren in Indien kann ich nur sehr eingeschraenkt empfehlen. Man braucht Nerven wie Drahtseile. Wenn man sich allerdings fuer eine Busfahrt entscheidet, scheint Raj National Express eine gute Wahl zu sein. Die Busse waren gut in Schuss, das Personal machte einen guten Eindruck und der Service war klasse. Als wir vor der Rueckfahrt an der falschen Stelle auf den Bus warteten, wurden wir nach einiger Zeit angerufen und dann abgeholt, wo wir waren. Andere Busse waeren einfach ohne uns losgefahren…

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2 comments

1 Johanna { 01.29.09 at 22:27 }

Das erinnert mich an meine Bustour nach Kopenhagen. Abgesehen vom Gegenverkehr, da wir überwiegend Autobahn fuhren.
Möglich, dass die Busgesellschaften eine globale Kooperation ins Leben gerufen haben und Busfahrer aus Indien bei uns fahren dürfen!!?

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2 KrisBelucci { 06.02.09 at 11:34 }

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