Tutorials

Schon häufiger wurde ich gefragt, wie ich eigentlich meine Bilder nachbearbeite, welche Schritte ich gehe, vom Bild aus der Kamera bis zur Veröffentlichung im Web. Zur Beantwortung dieser Fragen habe ich nun ein Tutorial geschrieben. Auch wenn ich bei meinen Bildern durch die Bearbeitung den Dynamikumfang mitunter deutlich erhöhe, so handelt es sich hierbei dennoch nicht um ein reines DRI- / HDR-Tutorial, sondern beinhaltet diverse Tipps darüber hinaus.

Mit den Jahren habe ich, inspiriert von diversen Bildern und Tipps anderer Photographen, mit Hilfe von Forenbeiträgen, Webseiten, Tutorials und Büchern meinen eigenen Workflow entwickelt. Einen wesentlichen Einfluss hatten dabei Trey Ratcliff von Stuckincustoms und Scott Kelby. Auch wenn ich immer mal wieder über neue Tricks und Kniffe stolpere und diese an meinen Bildern ausprobiere, so beinhaltet der folgende Text doch die wesentlichen Schritte meiner Bildbearbeitung und gibt Hinweise, worauf zu achten ist.

Auch wenn dieses Tutorial wie eine Schritt für Schritt Anleitung aufgebaut ist, so soll das Ziel nicht sein, dass jetzt jeder Leser seine Bilder genau so bearbeitet. Vielmehr hoffe ich, euch dadurch zu inspirieren, mal etwas neues, anderes mit euren Bildern auszuprobieren.

 

Was ist eigentlich DRI / HDR?

DRI steht für „Dynamic Range Increase“ und HDR für „High Dynamic Range“. Beides beschreibt eine Art der Nachbearbeitung, entweder von Einzelaufnahmen oder von Belichtungsreihen, welche durch Überlagerungen und Kombinieren verschiedener Belichtungseinstellungen den Kontrast des Bildes auf eine Art und Weise verändert, die mit einer einzelnen Belichtung schlicht unmöglich wären. Sie hilft Über-, wie Unterbelichtungen zu vermeiden, oder zumindest einzugrenzen und, durch Erhöhung des Kontrastes, Bilddetails besser zu erhalten.

Wir können uns noch ein klein wenig mehr mit der Idee dahinter befassen: Es gibt einige Unterschiede im Vergleich zwischen menschlichen Gehirn und unseren Augen auf der einen Seite und der Kamera und ihrem Speicherchip auf der anderen. Unsere Augen sind, anders als die Kamera, nicht auf EINE Einstellung für Blende, Belichtungszeit usw. festgelegt. Gucken wir mit unseren Augen in den Himmel, erkennen wir einzelne Wolken, das blau, die Sonne… Gucken wir in den Schatten, dauert es zwar einen Moment, aber dann erkennen wir auch dort die allermeisten Details. Und so behalten wir auch die Szenerie in unserem Gedächtnis in Erinnerung. Eine Kamera kann das nicht. Sie kann Linien und Formen einfangen, aber oftmals nicht den vollen Dynamikumfang einer Szene. Schnell ist der Himmel „ausgebrannt“, auf dem Foto einfach nur noch weiß oder der Schatten „abgesoffen“ und nur noch schwarz.

An dieser Stelle greift der HDR-Prozess, mit dessen Hilfe es gelingen kann, dass ein herkömmliches Foto so aussieht, wie man die Szenerie mit seinen eigenen Augen tatsächlich wahrgenommen hat.
In der Photographie dreht sich vieles um Emotionen. Man selbst verbindet ganz bestimmte Erinnerungen und Gefühle mit seinen eigenen Aufnahmen. Durch diese Art der Nachbearbeitung kann es gelingen, eben diese Emotionen im Betrachter zu wecken.

Mein Workflow startet mit einigen Grundlegenden HDR-Techniken, es folgen allerdings noch viele weitere Schritte bis hin zum fertigen Bild.

Bevor wir nun aber zu den Grundlagen kommen, möchte ich noch einen immens wichtigen Punkt ansprechen:

Photomatix, Photoshop und Co. werden aus einer schlechten Aufnahme keine gute zaubern. Wenn das Ausgangsmaterial schlecht ist, ist es ganz egal, mit welchen ausgefallenen Methoden man es bearbeitet, das Resultat wird trotzdem niemanden vom Hocker hauen. Umgekehrt aber ist die Gefahr groß, durch schlechte Bildbearbeitung aus guten Ausgangsmaterial etwas zu machen, was wenig Anklang finden wird. “Ausgangsmaterial” meint hier jetzt ausdrücklich nicht die eingesetzte Kamera, sondern das zu bearbeitende Bild. Ein Bild braucht ein Motiv, eine Aussage, es soll beim Betrachter bestimmte Gefühle hervorrufen. Man sollte stets im Hinterkopf behalten, was man mit seinem Bild erreichen möchte und die Bildbearbeitung so einsetzen, dass die gewünschte Bildaussage unterstrichen und die zu weckenden Gefühle behutsam verstärkt werden.

 

Grundlagen

Klären wir nun die nächste Frage: Welche Programme benutze ich eigentlich für die Bearbeitung meiner Bilder?

  • Photomatix Pro – In meinem Tutorial wird die Bearbeitung exemplarisch mit diesem kostenpflichtigen, aber günstigen Programm vollzogen. Eine kostenlose Testversion kann man sich auf der Photomatix Websiteherunterladen.
  • Adobe Photoshop – Ich empfehle Photoshop oder Photoshop Elements für die weitere Bearbeitung der Bilder.
  • Adobe Lightroom – Ich persönlich liebe Lightroom und nutze es für die Ablage meiner Bilder ebenso wie für die Bearbeitung der RAWs. Letzteres ist aber auch problemlos mit Adobe Camara Raw möglich, einem Bestandteil von Photoshop. Alle hier genannten Adobe Produkte kann man direkt auf der Adobe Websitebestellen.
  • Noiseware Professional – Eine unerwünschte Nebenwirkung beim HDR-Prozess ist das Bildrauschen. Ich nutze das Programm Noiseware Professional von Imagenomic, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Auch dieses Produkt lässt sich problemlos direkt von der Imagenomic Websitebestellen.
  • Was sonst? – Nik Color Efex und Topaz Adjust, nicht zwingend notwendig, aber beeindruckend im Resultat.

Trey Ratcliff bietet auf seiner Seite Stuckincustoms Coupon Codes für die oben genannten Programme (und für einige andere darüberhinaus). Damit lässt sich der ein oder andere Euro sparen.

 

Das Equipment vorbereiten

Für meine Bilder benötige ich entweder Belichtungsreihe oder aber zumindest Einzelbilder im RAW-Format. Die meisten meiner Bilder basieren bisher auf Einzelaufnahmen.

Der Profi nutzt im Optimalfall ein stabiles Stativ mit einem guten Kopf für seine Belichtungsreihe. Ich muss gestehen, dass ich meist zu faul bin, neben der üblichen Ausrüstung auch noch das große Stativ mit mir herum zu schleppen. Ganz abgesehen davon, würde meine Freundin Sarah mich bei unseren gemeinsamen Urlauben und Städtetouren dann vermutlich auch endgültig für wahnsinnig erklären. Vielleicht sollte ich mir demnächst zumindest mal ein Gorilla-Pod zulegen? Dieses Stativ wiegt wenigstens nicht viel und passt in fast jede Tasche…

Alternativ kann man zur Not mit Hilfe des Autobracketings bzw. Exposure Bracketings und der Serienbildfunktion auch durch einmaliges Auslösen eine Belichtungsreihe aus der Hand erstellen. Die nötigen Einstellungen findet man bei der von mir verwendeten Canon EOS 400D unter Menü >> Kamera2 >> AEB >> SET. Man sollte dabei aber im Hinterkopf behalten, dass man mit diesen drei Aufnahmen zwar ein Bild erstellen kann, welches einen deutlich höheren Dynamikumfang hat, für ein perfektes HDR wird man aber vermutlich mehr Aufnahmen benötigen, was frei aus der Hand dann oft nicht möglich ist. Schießt man aus der Hand, sollten gerade Anfänger dabei möglichst darauf achten, die Kamera irgendwo abzustützen. Ein kleines Kirschkernkissen kann dabei zum Beispiel gut als Unterlage für die Kamera dienen. Mit etwas Übung sollte es aber auch möglich sein, mit Hilfe des Autobracketings eine Belichtungsreihe aus der Hand zu erstellen. Photomatix bietet inzwischen gute Möglichkeiten, die Bilder automatisch auszurichten.

Für unseren Fall gehen wir trotzdem jetzt mal davon aus, dass wir ein stabiles Stativ mit einem guten Kopf nutzen. Als nächstes wählen wir den niedrigsten ISO Wert, den die Kamera zu bieten hat, um das Bildrauschen auf ein Minimum zu reduzieren. Stabilisatioren an Kamera und Objektiv schalten wir aus und die Kamera stellen wir in den manuellen Modus „M“. Wir entscheiden uns für die richtige Blende: Nicht zu hoch, um Beugungsunschärfe zu vermeiden und nicht zu niedrig, um ausreichende Tiefenschärfe zu haben. In den Optionen der Kamera aktivieren wir die Spiegelvorauslösung und im Optimalfall haben wir einen Fernauslöser zur Verfügung, um Verwackeln beim Drücken des Auslösers zu vermeiden.

Zu guter Letzt setzen wir den Fokus richtig und schalten den Autofokus danach ab, so können wir sicher sein, dass bei unserer Belichtungsreihe der Fokus bei jedem Bild an der selben Stelle sitzt.
Die Frage, wie viele Aufnahmen man denn nun machen soll, ist umstritten. Generell gilt: Man kann schon aus einer einzelen RAW Datei ein pseudo-HDR zaubern, welches einen deutlich höheren Dynamikumfang hat, als ein einzelnes JPG. Einen noch höheren Dynamikumfang erzielt man mit der oft aufgeführten Belichtungsreihe mit den Blendenstufen -2, 0 und +2. Setzt man sich aber als Ziel, den vollen Dynamikumfang der Szene einzufangen, so gibt es nur die Antwort, dass man so viele Aufnahmen braucht, wie eben nötig sind, um die volle Dynamik der jeweiligen Szene so abzudecken, dass alle Lichter, Mitten und Tiefen Zeichnung haben. Im Optimalfall hat man dann als Resultat eine Belichtungsreihe, deren hellste Aufnahme fast weiß ist, aber so, dass die Details der tiefsten Schatten gut zu erkennen sind und deren dunkelste Aufnahme fast schwarz ist, so dass selbst in den hellsten Lichtern alle Details gut zu sehen sind. Extreme Lichtsituationen, z.B. ein dunkler Innenraum mit einem Fenster, durch welches Tageslicht hineinfällt, können da durchaus auch sechs und mehr Aufnahmen erforderlich machen.

Jetzt mag man denken, dass man die Zwischenaufnahmen ja einfach auslassen kann, aber das ist ein gefährlicher Irrglaube, der dann im Resultat zu sehr unschönen Übergängen zwischen hellen und dunklen Bildbereichen führt. Der Abstand der einzelnen Aufnahmen sollte möglichst nicht mehr als 2 Blendenstufen betragen.

ACHTUNG: Wenn hier bei den Belichtungsreichen von Blendenstufen oder EV die Rede ist, so heißt das NICHT, dass wir für die einzelnen Aufnahmen der Belichtungsreihe die Blende verstellen. Die Einstellung für die Blende an der Kamera bleibt bitte für alle Aufnahmen identisch. Gesteuert wird der Abstand der einzelnen Aufnahmen nur über die Einstellung der Belichtungszeit.
Eine Verdopplung bzw. Halbierung der Belichtungszeit entspricht dabei jeweils einer Blendenstufe nach oben bzw. unten.

Auch wenn einen die Einzelaufnahme bei der Bearbeitung im Vergleich zur Belichtungsreihe einschränkt (z.B. wird Bildrauschen hier viel schneller zum Problem), so hat sie auch ihre Vorteile. Gerade in Städten, mit all den Bewegungen, Passanten, Fahrzeugen und und und vermeidet man so das für Belichtungsreihen übliche Problem des Ghostings. Wobei es auch dafür Gegenmittel gibt, auf die ich später eingehen möchte.

 

Die Szene bewusst wahrnehmen

Ein kurzer, aber wichtiger Tipp. Wie schon eingangs geschrieben, können wir mit unseren Augen einen wesentlich größeren Dynamikumfang erfassen, als eine Kamera. Dies sollte man sich bei seinen Bildern stets bewusst machen.

Haben wir also eine Szene vor uns mit sehr hellen und sehr dunklen Bereichen, so ist diese geradezu prädestiniert für ein HDR-Bild.

 

Weiter geht es mit Teil 2 des Tutorials.

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Maria Hertle - Oh je, wenn ich das so lese, steht mir ja noch einiges an Arbeit bevor, um zu wirklich “guten” Bildern zu kommen.

Habe aber auch erst angefangen mit der Fotografiererei und bin darum froh, auf Seiten wie dieser Tipps zu finden.

Ach ja, die Bilder sind einfach nur schön :-)

Benjamin - Vielen Dank für dein Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir meine Bilder gefallen und ich hoffe, du kannst ein paar nützliche Tipps aus dem Tutorial ziehen. Wobei ich sagen muss, dass der Workflow für meine heutigen Bilder mit dem Tutorial nicht mehr wirklich viel gemeinsam hat. Aber das ist ja das schöne an der Bildbearbeitung, man kann sich ständig weiterentwickeln und Neues entdecken / erlernen.

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