Wasserstandsmeldung
Der Monsun ist da. Aber irgendwie auch noch nicht so richtig. Daniela hat sich in ihrem Blog ja bereits ausfuehrlich ueber das metereologische Department und deren Vorhersagen ausgelassen. Dem gibt es kaum etwas hinzuzufuegen. Stand heute haengt der Monsun etwa 15 Tage hinterher. Es regnet zwar inzwischen gelegentlich, oefter gehen auch mal heftige Schauer nieder, aber so richtig angekommen ist der Monsun trotzdem noch nicht.
Gerade heute war wieder in der Zeitung zu lesen, dass es um die Wasserreserven der Stadt nach wie vor nicht gut bestellt ist. Die Niederschlaege reichen nicht, um die umliegenden Seen wieder aufzufuellen. Das Wasser soll gerade mal noch fuer maximal zwei Wochen reichen. Schon naechste Woche wird man wohl die Notbremse ziehen muessen, sollte der Monsun bis dahin nicht richtig losgelegt haben. Im Gespraech ist jetzt, die Trinkwasserversorgung jeden zweiten Tag zu unterbrechen. Na herrlich. Ein Glueck sprudelt es in meiner Wohnung zur Zeit praechtig. Seit unser Haus zusaetzlich mit Tankern versorgt wird, gibt es keine Probleme mehr. Hoffe sehr, dass das so bleibt.
Das Wetter laesst sich inzwischen wieder aushalten. Die Regenschauer druecken die Temperaturen auf angenehme um die 25 Grad. Nur wenn es trocken bleibt und die Sonne sich ab und an zwischen den Wolken blicken laesst, steigt das Quecksilber wieder fix auf ueber 30 Grad.
Meine Kueche hat nun auch endlich ein Fenster, so muss ich mir keine Sorgen mehr ueber moegliche Wassereinbrueche in meiner Wohnung machen. Zudem duerfte sich das neue Fenster auch auf die Stromrechnung auswirken, denn meine Klimaanlagen muessen nun nicht mehr versuchen, ganz Bandra runterzukuehlen.
Die Kehrseite der Medaille ist zur Zeit die hohe Luftfeuchtigkeit von um die 80%. Das merkt man doch recht deutlich, Waesche braucht deutlich laenger zum trocknen, es riecht gerne mal etwas muffig und vieles fuehlt sich klamm an. Schimmeln tut bisher aber nichts.
Ich habe letzte Woche einen Luftentfeuchter “geerbt”. Wusste bisher gar nicht, dass es sowas gibt. In Deutschland denkt man, der trockenen Heitzungsluft wegen, ja eher immer an Luftbefeuchter. Als Hausmittel legt man gerne auch einfach ein nasses Handtuch auf die Heizung, welches so die Feuchtigkeit abgibt. Umgekehrt funktioniert der Trick nicht. Erstens gibt es keine Heizung und zweites ist das mit dem trockenen Handtuch so eine Sache… Dafuer hat man nun Luftentfeuchter. Diese kleinen Maschinen saugen auf der einen Seite Luft ein, entziehen der das Wasser und geben die so “getrocknet” Luft auf der anderen Seite wieder ab. In einem Tank wird derweil das dabei herausgefilterte Wasser gesammelt.
Ich lasse diese kleine Hoellenmaschine zur Zeit taeglich fuer ein paar Stunden im Schlafzimmer bei geoeffneten Schranktueren arbeiten, bisher geht es gut.
Und der positive Nebeneffekt: Sollte es mit der Wasserknappheit schlimmer werden, mache ich mir so halt mein eigenes
Juni 30, 2009 6 Comments
Sherlock Holmes – Das verschwundene Wasser
Die letzte Woche war mal wieder spannend. Das Wasser war weg. Wo war e shin? Da der Monsun in Bombay noch auf sich warten laesst, steht die Stadt vor einer bedrohlichen Trinkwasser-Knappheit. Bombay stillt seinen Wasserdurst vornehmlich aus einigen Seen im Umland. Deren Wasserspiegel war allerdings schon bedrohlich gesunken und so kursierten letzte Woche bereits Meldungen in den Zeitungen, dass das Wasser nur noch fuer zwei Wochen reichen wuerde. In den Zeitungen wurden schon die tollsten Tipps zum Wassersparen gegeben. So wurde darueber diskutiert, Schwimmbaeder und Hotel-Pools zu schliessen und auch den 5-Sterne-Hotels die Wasserversorgung zu begrenzen.
Tatsaechlich wurden erstmal aber nur den privaten Haushalten die Wassermengen begrenzt. Und wie meine intensiven Ermittlungen erganben, fuehrt dies in meinem Haus dann relative schnell zu groesseren Problemen. Die Geschichte dazu ist zum Haareraufen. Das Haus in dem ich wohne, ist eine merkwuerdige Konstruktion. Es ist ein Gebaeude mit zehn Stockwerken und zwei Fluegeln, A- und B-Wing. Allerdings wurde dieses Gebauede einfach um ein altes Gebaeude mit drei Stockwerken herum gebaut, welches nun im A-Wing integriert ist. Soweit so verrueckt, fuer Bombay aber nicht ungewoehnlich. Das Problem ist nur, dass die Genehmigungsverfahren noch anhaengig sind. Fuer die Stadtverwaltung handelt es sich noch immer um ein altes, dreistoeckiges Gebaeude. Nicht um quasi zwei neue, zehnstoeckige, in denen teilweise noch fleissig gebaut wird (wofuer viel Wasser benoetigt wird). Bei der Wasserzuteilung bekommt wird dieses Haus dann also behandelt, als haette es nur drei Etagen. Offizielle Muehlen mahlen eigentlich nirgends wirklich schnell, in Indien aber ganz besonders langsam.
Immerhin weiss ich nun, warum ich letzte Woche auf dem Trockenen sass. Wasser gab es nur morgens bis 9 Uhr und dann abends wieder ab 19 Uhr. An einigen Tagen allerdings auch erst ab 21 Uhr. Fuer mich selbst nicht weiter wild, ich war tagsueber ja im Buero, da sprudelte es nur so. Allerdings doof fuer meine Maid. Putzen ohne Wasser… Waeschewaschen ohne Wasser… Aber auch hier hilft Pragmatismus. Morgens ein paar Eimer befuellen und alles wird gut.
Inzwischen hat die Hausverwaltung Erbarmen gehabt und Tanker geordert. So werden die hauseigenen Wassertanks jetzt regelmaessig von Tanklastwagen aus mit Wasser befuellt. Fall geloest!
Es ist aber sowieso nur noch eine Frage der Zeit, dann werden wir hier erstmal mehr Wasser haben, als einem lieb sein kann. Ein Blick aus dem Fenster zeigt bereits dunkle Wolkenberge…

Juni 22, 2009 3 Comments
Vorsehung?
Manchmal gibt es so Momente, da fragt man sich, wie kann das sein? Ist das wirklich nur Zufall?
Als ich eben nach Hause kam, dachte ich mir, vermutlich in einem Anfall von Wahnsinn, es sei doch mal wieder Zeit fuer Sport. Lang nicht mehr gemacht. Nein, ich wollte nicht in das fuer ein Jahr im Voraus bezahlte Fitness Studio, sondern nur ein wenig im Almeida Park laufen und dann daheim Sit-ups und so machen. Ich entsann mich doch noch eines Besseren, Laufen bei der Affenhitze draussen, pfuih! Da muss man ja schon gaenzlich verrueckt sein fuer! Ich erinnerte mich also an mein irgendwo im Schrank schlummerndes Springseil, so ein tolles Springseil mit Gewichten in den Handgriffen. Nach kurzem Suchen war dieses auch gefunden.
Bin dann lustig bei basslastiger Musik eine Aufwaermrunde im klimatisierten Wohnzimmer gesprungen. Die folgende kurze Pause wollte ich schnell nutzen, um die auf dem Heimweg gekauften (hier in Indien irgendwie recht mickrig kleinen) Kirschen abzuspuehlen. Also ab in die Kueche. Wasserhahn aufgedreht. Nix. Kein Tropfen. Na toll!
Ein Glueck bin ich nicht zum Laufen in den Park gegangen. Schoen verschwitzt, voll Vorfreude auf die anstehende Dusche zurueck in die Wohnung. Nasse Klamotten aus. Unter die Dusche. In freudiger Erwartung des erfrischenden Nasses Hahn aufdrehen. Nix… Das waere doch deutlich frustrierender als ein gescheitertes Kirschenwaschen.
Sport also ein ander Mal, wenigstens kann man mir nicht vorwerfen, ich haette es nicht versucht
Juni 16, 2009 No Comments
Selbstverstaendlichkeiten
Dem ein oder anderen mag es sauer aufstossen. “Da sitzt der Benjamin im fernen Mumbai, laesst sich am Wochenende die Sonne auf den Pelz scheinen. Die laestige Hausarbeit erledigt Tag fuer Tag eine Maid gewissenhaft und ordentlich fuer wenig Geld und herumfahren laesst er sich von einem Fahrer, der auch noch fuer ihn einkauft und andere Besorgungen erledigt, auf die er gerade keine Lust hat. Und dann stellt der Benjamin sich hin und schreibt, in Deutschland wird gemeckert.” Wieder andere werden sagen, in Deutschland wird doch gar nicht gemeckert. So gesehen in dem Blog einer Freundin, die sich ebenfalls ueber das typisch Deutsche Gejammer auf hohem Niveau beschwerte.
Vermutlich wird es in Deutschland von vielen einfach schon gar nicht mehr wahrgenommen. Es ist halt selbstverstaendlich. Man tut es und denkt sich nichts dabei.
Ebenso, wie man in Deutschland im Sommer den Wasserhahn zu jeder Tageszeit aufdrehen kann und es kommt auch Wasser heraus. Dabei denkt man sich auch nichts. Man macht es einfach, es ist selbstverstaendlich.
April 6, 2009 No Comments


