Rueckblich und Ausblick
Schon lange schiebe ich es vor mir her, einen Jahresrueckblick zu schreiben. Am Jahrestag meiner Entsendung weilte ich gerade im Urlaub in Deutschland. Und auch danach habe ich es immer weiter vor mir hergeschoben. Und ehe ich mich versah war auch schon der naechste Jahrestag an der Reihe, der der Anschlaege vom 26. November 2008. Ich habe mich schwer getan, da jetzt die passenden Worte zu finden, fuer all das, was ich in der Zeit seit meiner Ankunft in Indien am 01. Oktober 2008 erlebt habe.
Dezember 7, 2009 3 Comments
Ein halbes Jahr
Unglaublich, aber wahr. Ich bin nun schon seit einem halben Jahr in Bombay. Die Zeit, sie rennt. Ein halbes Jahr… Zeit fuer ein Resumee. In meinem ersten halben Jahr in Bombay habe ich unglaublich viele neue Erfahrungen gesammelt und viel gelernt. Unter den gesammelten Erfahrungen waren auch sehr intensive, sowohl im positiven, wie auch im negativen Sinne.
Die wohl krasseste Erfahrung im letzten halben Jahr waren ganz klar die Terroranschlaege vom 26. November. So hautnah dabei zu sein, das praegt. Auch wenn ich rein koerperlich schon lange wieder voll hergestellt bin, so laesst einen das Erlebte doch nicht los. Aber so verrueckt es vielleicht auch klingen mag, irgendwie bin ich auch dankbar fuer diese Erfahrung. Mit Mitte (Ende) Zwanzig, fuehlt man sich ja irgendwie doch noch reichlich unverwundbar. Mit solch einer extremen Erfahrung lebt man nun doch viel bewusster. Stichwort carpe diem, nutzen den Tag. Jeder Tag koennte der letzte sein. Fuer viele nur eine Floskel, wenn aber erstmal neben dem eigenen Abendessen eine Handgranate explodiert ist und aus Sturmgewehren auf einen gefeuert wurde, schaut das doch etwas anders aus.
Wie ihr wisst, bin ich immernoch in Bombay, das heisst, die negative Erfahrungen koennen nicht wirklich ueberwiegen. Ganz im Gegenteil. Ich habe mich in diese Stadt verliebt. Und nicht nur dass, ich habe mich auch in dieser Stadt verliebt. Schon im Oktober letzten Jahres habe in meinem Hotel, wo ich zu Beginn gewohnt habe, meine Freundin Sarah kennengelernt. Sie war dort damals auch zu Gast. Seit Silvester sind wir ein Paar und zur Zeit verbringen wir vier gemeinsame Wochen hier in Bombay, im Mai sehen wir uns dann in Deutschland wieder.
Auch sonst weiss das Leben in Bombay zu gefallen. Im Vergleich zu Deutschland herrscht hier in allen Lebenslagen ein unglaubliches Chaos. Aber trotzdem funktioniert es alles irgendwie. Gerade mir als freiheitsliebendem Individuum kommt dies sehr entgegen, ging mir Deutschland mit all seinen Regeln, seinen vielen rechthaberischen und grummeligen Einwohnern (dieses Blockwart und Gartennazi-Gen scheint leider in vielen noch zu schlummern) doch am Ende reichlich auf den Keks.
Dazu wartet das Leben als Expat in einer Stadt wie Bombay natuerlich auch mit allerhand Annehmlichkeiten auf. Eine Maid, die sich um den Haushalt kuemmert, Waesche waescht und Geschirr spuelt und ein Fahrer, der einen sicher im klimatisierten Wagen von A nach B und wieder zurueck bringt und der fuer einen alle moeglichen Besorgungen erledigt, da muss man schon arg aufpassen, dass man sich nicht zu sehr dran gewoehnt und es am Ende eben nicht als selbstverstaendlich sieht.
Auch vereinsamen tut man in Bombay nicht (eh schwierig, bei so vielen Menschen auf so wenig Flaeche). Allerdings ist es mit den Freundschaften hier so eine Sache. Ich bin einfach einer der juengsten Expats in dieser Stadt. Die meisten anderen Angestellten auslaendischer Unternehmen, die fuer mehrere Jahre hier gebunden sind, sind doch schon deutlich aelter. In meinem Alter finden sich hier viele Trainess, die in der Regel maximal ein halbes Jahr hier sind um ein Praktikum zu absolvieren. So kam es, dass im Maerz gerade quasi ein kompletter Schichtwechsel vollzogen wurde. Alle Deutschen Freunde, die ich bisher hier kennengelernt hatte, zog es zwischen Ende Februar und Ende Maerz wieder nach Deutschland zurueck. Nur ich blieb hier. Einerseits irgendwie gewoehnungsbeduerftig und traurig, nachdem man soviel Zeit miteinander verbracht hat, andererseits lernt man aber auch schnell neue, interessante Leute kennen. Langeweile kommt keine auf.
Die richtigen Herausforderungen kommen aber erst noch. Bisher, Oktober bis April, habe ich ja die eher angenehmen Seiten Mumbais kennengelernt. Ab Mitte April muss ich dann nicht nur mit Sarahs Abreise klarkommen, sondern auch mit taeglich steigenden Temperaturen und dann spaeter mit dem Monsun. Nach all dem, was ich hier bisher allerdings schon er- und ueberlebt habe, bin ich recht zuversichtlich auch das alles irgendwie zu ueberstehen
April 3, 2009 3 Comments
Ein Monat Indien ist um
Etwas ueber einen Monat ist es nun her, dass ich in Hamburg das Flugzeug bestiegen hab, um ueber Frankfurt nach Mumbai aufzubrechen. 35 Monate liegen noch vor mir. Zeit also, fuer ein erstes Fazit.
November 3, 2008 3 Comments


